„Alles supi“ findet auch die W&V

Ein Artikel von Annette Mattgey am 02. Juli 2015 Daumen hoch und breites Grinsen: So startet das Recruiting-Video des Personaldienstleisters Avantgarde Experts. Die Kollegen geben ihr Bestes, um ihren Arbeitgeber in möglichst gutem Licht dastehen zu lassen. Allerdings lassen sie dabei kein Klischee aus. Begeisterte Mitarbeiter, die „nur“ sechs Sprachen fließend beherrschen, jung, gutaussehend und top gestylt.
Mit dieser satirischen Selbstdarstellung der Recruitingbranche gelingt der Filmproduktionsfirma Al Dente Entertainment bereits der zweite Streich: „S’Lebn is a Freid“ hatten sie den Imagefilm betitelt, der einen Münchner Obststandl-Besitzer groß in Szene setzt. Immer wieder klafft eine heftige Text-Bild-Schere: Während die Praktikantin begeistert von ihrer Verantwortung für Projekte schwärmt, steht sie gerade am Kopierer. Der „absolut typische Alltag“ wird mit einem Bildschirm voller Solitaire-Karten begleitet. Das monotone Ablesen von Texten durch den Geschäftsführer kommt genauso vor, wie der Heulkrampf der Mitarbeiterin mit Vollidentifikation zum Unternehmen.
„Wir können über uns selbst lachen und nehmen uns selbst nicht immer ganz ernst – unsere Arbeit dafür umso mehr“, bekennt Florian Lauber, Geschäftsführer von Avantgarde Experts. „Um dafür die nötige Aufmerksamkeit zu schaffen, haben wir uns für einen Recruitingfilm entschieden. Indem wir gängige Klischees aufgreifen und überspitzt spiegeln, zeigen wir auf humorvolle Art und Weise, dass wir anders ticken und bei uns Humor und Spaß an der Arbeit eine wichtige Rolle spielen“,  erklärt Lauber.
Hang zu Stereotypen macht auch vor Recruiting-Filmen nicht halt Kaum eine Karriereseite, die mittlerweile auf Statements eigener Mitarbeiter verzichten möchte. Authentizität ist das Schlagwort, ja das Gebot der Stunde. Dumm nur, wenn diese Mitarbeiterstatements beginnen, sich ebenfalls mehr und mehr zu ähneln – während die Inhalte verflachen. Gleichzeitig zeigen viele Image- und Recruitingvideos den Alltag in stereotypen Szenen, die eben ganz und gar nicht authentisch sind: Wer hebt schon freiwillig den Daumen in eine Kamera? Warum gibt es in gefühlt jedem zweiten Film den unvermeidlichen Handshake? Und warum in praktisch jedem Unternehmen, das sich jung geben will, einen Tischkicker, an dem superfröhlich gespielt wird?
„Wir drehen viele Interviews mit Mitarbeitern. Das gehört zu unserem Kerngeschäft“, so Peter Schels, Geschäftsführer der Al Dente und Regisseur beider Filme, „aber man muss schon sehr darauf achten, dass die Personen, die für ein Unternehmen sprechen, tatsächlich echt rüber kommen. Gerade junge Leute haben dafür sehr feine Antennen.“

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